Erinnerungen

Wir spielen Cowboy und Indianer – Hugh!

Ich will mal wieder ein wenig in meinen Erinnerungen kramen… Als Kind wohnte ich ja in Köln in einer (damals) Neubau-Siedlung mit einem riesigen rasenbedeckten Hof, der zu allen Seiten von Häusern umrandet war. Es gab einen Sandkasten, eine Teppichstange (auf die ich es nie hinaufschaffte), Kellereingänge und Balkone im Paterre, unter die man toll kriechen konnte, wenn es einen vor den dort ansässigen Spinnen nicht gruselte. Weiterlesen

Wir waren ziemlich viele Kinder in der Nachbarschaft und haben alles Mögliche dort gespielt. Fußball, Sandburgen bauen, Räuber und Gendarme, Der-König-schickt-seine-Soldaten-aus, und dann noch ein Spiel, bei dem eine/r vorne stand und der versammelten Manschaft den Rücken zu kehrte. Wir durften laufen, bis er/sie sich umdrehte, dann mussten alle zur Salzsäule erstarren. Wer bei einer Bewegung erwischt wurde, musste zurück auf Start. Wer als erste/r dem/der Vornestehenden auf den Rücken klopfte, hatte gewonnen und durfte danach vorne stehen (ich habe keine Ahnung, wie das Spiel hieß, aber es machte großen Spaß). Einmal haben wir sogar einen Zirkus aufgeführt, mit Clowns, Akrobaten, einem Süßigkeiten-Bauchladen und einem künstlichen Busen, den sich Rico Zimmermann zu unserer großen Freude unter sein Hemd gestopft hatte.

Sehr beliebt war auch „Cowboy und Indianer“, wobei ich am Liebsten bei den Indianern mitspielte. Ich war damals ganz inspiriert von Karl May, Old Shatterhand und Winnetou. Wir spielen also so vor uns hin und ich will mit meinem Indianer-Bruder Bruno, der ungefähr zwei Meter von mir entfernt kauert, ein paar geheime Zeichen ausmachen, denn wir wussten ja, dass Indianer sich auch lautlos verständigen können. Ich mache also wie wild Zeichen und Bruno interpretiert sie. Ich lasse meine Finger über den Rasen laufen – „Du schleichst Dich an.“ Gut! Ich hacke mit meinem Tomahawk durch die Luft – „Du überfällst sie.“ Mein Indianer-Bruder versteht mich! Ich schlage mir mit der Hand vor den Mund – „Du bist müde????“ Argh – nein! Ich stimme ein lautloses Kriegsgeheul an!!!

Ich weiss nicht, ob wir an diesem Tag die Bleichgesichter besiegten, aber schön war es alle Mal.

 

Fernsehen damals oder: Auch in den frühen 60ern lernten die Kinder nur Blödsinn!

Einer meiner Söhne hat sich von mir gewünscht, dass ich meine Erinnerungen mal zu Papier bringe, damit etwas von mir bleibt, wenn ich mal den Weg alles Irdischen gegangen bin – so in hundert Jahren oder so (O-Ton Sohn). Ich denke, das kann ich genau so gut hier machen, dann haben noch mehr was zu lachen. Weiterlesen

Beginnen möchte ich mit einer Episode, die meiner Großmutter einige graue Haare beschert hat. Ich war damals ungefähr vier Jahre alt. Meine Großeltern, bei denen ich in Köln aufgewachsen bin, hatten damals schon einen Fernseher, der auch beim Abendessen lief. Ich weiss gar nicht mehr, was genau an diesem bestimmten Abend lief, es war die Geschichte eines Elternpaares, das ausgehen wollte und dem Sohn einschärfte, auf keinen Fall auf ein Klingeln hin die Wohnungstür zu öffnen, auch wenn sich der/die Betreffende vielleicht als Vater oder Mutter ausgab, sie, die Eltern hätten auf jeden Fall einen Schlüssel dabei – den sie natürlich zu Hause vergessen hatten. Bei ihrem folgsamen Sohn hatten sie keine Chance, sie mussten schlussendlich einen Schlosser holen, und das mitten in der Nacht.

Nachdem die Sendung beendet war, sagte mein Opa zu mir: „So musst Du das auch machen, keinen rein lassen“. Ich war auch ein folgsames Kind und als meine Großmutter einige Tage später vom Wäscheaufhängen auf dem Hof wieder nach oben kam, merkte sie, dass sie den Schlüssel vergessen hatte. Auf ihr Klingeln bekam sie von mir immer wieder zur Antwort: „Der Opi hat gesagt, ich soll keinen reinlassen“. In ihrer Verzweiflung turnte meine Großmutter dann irgendwie über den Balkon ins Bad (wir wohnten im I. Stock und sie war immerhin schon 54) und kam dann wutschnaubend in die Küche, wo ich in aller Seelenruhe saß.

Ich beschloss dann für mich, doch nicht mehr ganz so folgsam zu sein, wenn mein Opa was sagte.